Ein spannendes Buch, das mir durch Zufall in die Hände bzw. auf´s Nachtkastl geraten ist, hat schon einige Jährchen auf dem Buckel bzw. Buchrücken. Erschien es doch unter “The Reenchantment of the world” erstmals 1981. Die Wiederverzauberung der Welt von Morris Berman befasst sich mit einer interessanten Frage: in wie weit hat sich das mechanistische, newtonsche “kartesianische” Weltbild – so sehr es auch den Fortschritt auf allen Gebieten, sei es materieller Wohlstand, Wissenschaft, Politik, ja die “Neu”zeit erst ermöglicht hat –  mittlerweile (also 1981!), zum Erkenntnisblocker und zur Fortschrittsblockade entwickelt? Seine These erscheint im Lichte heutiger Diskussionen, Erfahrungen und der Forschungsergebnisse der Quantenphysik umso plausibler. Nämlich dass durch das aktuelle Wissen(-schafts)verständnis und das Wahrheitsparadigma des Zählens, Messens und Beweisens viele Ebenen des potenziell Wirklichen nicht erkennbar sein können, weil sie nicht für wahr genommen werden dürfen. Das auch oder vor allem wegen des Ausgrenzens jeder anderen Art von Erkenntnisgewinn, was im Lichte von Hexenverfolgung und der dabei vorhandenen Willkür im Ausklang des dunklen Mittelalters nur allzu verständlich war.

Berman’s fundierte Analyse der Entwicklung der modernen Wissenschaft und damit verbunden unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems ist keine vorschnelle Forderung nach diffus spirituellen “folge mir und frag nicht lange” Erkenntniswegen. Vielmehr wird versucht, die Bedingungen einer weiterentwickelten Weltsicht herauszuarbeiten ohne einfach missionarisch abzukürzen. Auch schlägt er keinen Weg zurück zu sondern eine Integration und Weiterentwicklung der Vorstellung von Wahrheit und Wirklichkeit vor. Die Wiederentdeckung des Subjekts in einer angeblich objektiven Welt scheint ihm einige Schlüssel für eine tiefere bzw. radikale Erneuerung zu bieten.

Warum könnte dieses Buch jetzt relevant sein?

Gerade heute, wo wir an den Rand vieler unserer Bezugssysteme anstoßen, scheint dies wirklich der Flaschenhals und gleichzeitig ein furchtsam gehütetes Zukunftstabu zu sein. Woher kommt das Neue, wenn wir nur mit unseren alten Werkzeugen der Wahrnehmung und Bewertung auf die Welt blicken? Was vor der Zergliederung der Welt in ihre Teile selbstverständlich war und heute in “seriösen Kreisen” nicht salonfähig ist, scheint ein spannender Startpunkt einer fundamentalen Erneuerung unseres Weltbildes zu sein. Denn genau wo das Wissen aufhört und nur das Erspüren des Potenzials der Zukunft als Alternative denkbar(!) ist, wirkt dieser schon fast 40 Jahre alte Beitrag ein bisschen prophetisch. Auch wenn man nicht alle Aspekte des Buches teilt, so inspiriert es doch die gewählten Einschränkungen zu reflektieren, das Wasser in dem wir schwimmen zumindest einmal zu bemerken und so hinterfragbar zu machen.

Und während ich diese Zeilen schreibe, flattert mir gerade der brandaktuelle Newsletter des GDI Gottlieb Duttweiler Instituts in den Nachrichteneingang – Dr. Jo Marchant macht in ihrem neuen Buch «Cure» klar, warum Placebos den Körper verändern und die klassische Vorstellung von Medizin und Körper nicht mehr ausreichen. Und sie plädiert ebenso für ein neues Verständnis von Medizin, Heilung und der Beziehung von Geist und Körper. Wenn das kein gelungener Zufall ist…

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