Im Grunde gut.

Um die Zukunft zu ändern, müssen wir uns selbst neu erzählen lernen. Das neue Buch von Rutger Bregmann bietet einen guten Anlass dafür.

Im seinem neuen Buch “Im Grunde gut” fordert der Historiker und Journalist Rutger Bregman nicht weniger, als eine neue Geschichte der Menschheit. Sein erstes Buch „Utopien für Realisten“ brachte ihm eine, wenn auch bislang einmalige Einladung nach Davos ein. Die geforderte Umverteilung, viral als Wutrede millionenfach geteilt, war wohl für die anwesenden Millionäre zu viel. Im aktuellen Buch stellt er auch anhand von Daten dar, dass nicht der Mensch des Menschen Wolf und Konkurrenz unsere zentrale Triebfeder ist. Vielmehr zeigt sich gerade in Krisen wie beispielsweise auch der Corona Pandemie wie sehr Menschen gut und solidarisch sind und das Gute wollen. Das Konkurrenznarrativ? Ab auf die Müllhalde der überwundenen Geschichte!

Die aktuelle gesellschaftlich dominante Erzählung „wie wir Menschen sind“ ist die implizite Grundlage und begrenzende Denkrahmen, der Möglichkeit, Ziele und die denkbare Zukunft bestimmt. Angesichts der epochalen Herausforderungen (Klimawandel, Ungleichheit, uvam.) ist es jetzt erforderlich, diesen Denkraum zu weiten. Denn die Probleme unserer Zeit sind nicht durch Reparatur oder Verbesserung lösbar. Echter Wandel löst Probleme “unabsichtlich”(!). Denn ein neues Zeitalter bedeutet immer auch einen neues paradigmatischen Selbstverständnis, dass fundamental neue Möglichkeiten, Ziele und Perspektiven eröffnet.

Eine neue Erzählung über unser menschliches Wesen, unser Sein, unser Wollen und Wünschen, unsere Zukunftsträume und Motive ist also dringend nötig. Erneuerung bedeutet im Kern die Erzählung wie ich als Individuum, wie wir als Organisation, als Gesellschaft und als Menschenheit sind, zu erneuern. In der Erzählung über sich selbst, individuell wie kollektiv, bilden sich Sinn und Identität. Nur so gelangen wir zum nächsten Abschnitt der Geschichte des Menschen . Dazu bietet das Buch eine spannende Basis.

Auf Grundlage einer neuen Geschichte über unser Sein und Wesen können die darauf gegründenden Strukturen, Institutionen, Regeln, Ziele und denkmögliche Zukunft anders und neu sehen lernen. Also: Wir wollen gut, wir sind gut. Wenn wir uns das (endlich) glauben.

Im OE1 Beitrag der Sendung Kontext vom 3.4.2020 gibt es eine Buchbesprechung und ein Interview mit dem Autor. 7 Tage nachhörbar.

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